extra Heppenheim/Laudenbach 11.03.2020

8 Mittwoch, 11. März 2020 H EPPENHEIM Michael Vester (rechts) referierte bei einer Informationsveranstaltung der Bergsträßer Grünen zum öffentlichen Personennahverkehr in Bensheim zum Thema „ÖPNV on demand“. BILD: THOMAS NEU Während der Fahrt können wei- tere Kunden mit ähnlichem Streckenwunsch (gleiches Pro- zedere) zusteigen. Solche Ange- bote, meist von kommunalen Verkehrsunternehmen, berück- sichtigen öffentliche Verkehrs- interessen und werden im Rah- men des Personenbeförde- rungsgesetzes (PBefG) angebo- ten. Dadurch unterscheiden sie sich von kommerziellen Platt- formanbietern. Auch die Gren- ze zum maximal individuali- sierten Taxibetrieb müsse er- kennbar sein, betonte Vester in Bensheim: „Ein solches Modell muss zumindest Spurenele- mente des konventionellen Li- nienverkehrs zeigen.“ Sprich: Die Routen sind nicht komplett beliebig, eine gewisse Abde- ckung der ÖPNV-Strecken ist gesetzlich ebenso notwendig wie eine Bündelung bestimmter Abfahrtszeiten. Brandneu sind diese flexiblen Angebote im kommunalen ÖPNV generell nicht. Sammel- oder Ruftaxis gibt es bereits seit vielen Jahren besonders in ländlichen Regio- nen oder städtischen Vororten. Im Unterschied zu den neuen On-Demand-Angeboten wer- den solche Verkehrsvarianten allerdings nicht via App, son- dern nach telefonischer Voran- meldung durchgeführt. Außer- dem werden die Fahrten auch nicht zu einer weitgehend de- ckungsgleichen Wegstrecke ge- bündelt. Die Kosten für einen On-Demand-Bus basieren meist auf einem eigens dafür entwickelten Tarif, der dann einheitlich im ganzen Verbun- draum bei allen kommunalen Verkehrsunternehmen gilt. Mobilität wird differenzierter Laut Vester profitieren von ei- nem solchen Zusatzdienst auch die kommunalen Verkehrsun- Fahrdienst auf Abruf als Lösung KREIS BERGSTRASSE. Das Problem vieler Buslinien im ländlichen Raum ist oft, dass es nicht genug Haltestellen gibt. Diese Lücken kann ein „ÖPNV on demand“ („auf Abruf“) schließen. Etliche Kommunen und Kreise haben das bereits vorgemacht. Die Idee hinter diesem Bedarfsverkehr: Per App oder Telefon kann ein Kleinbus oder Auto geordert werden. Die Fahrtkosten sind – wenn überhaupt – nur gering- fügig höher als im normalen Li- nienverkehr, aber deutlich günstiger als ein Taxi. „Das ist flexibel, bezahlbar und flächen- deckend nutzbar“, sagte Mi- chael Vester. Er war viele Jahre Geschäftsführer eines namhaf- ten Anbieters von Softwarelö- sungen für den flexiblen Perso- nennahverkehr. „Technisch ist alles möglich. Es kommt darauf an, wie man so ein System vor können. In vielen Regionen Deutschlands sind sogenannte On-Demand-Busverkehre be- reits im Einsatz. „On demand“ bedeutet so viel wie „auf Bestel- lung“ oder „auf Abruf“ und meint, dass der Fahrgast be- stimmt, wann die Reise startet und wohin sie geht. Solche Be- darfsverkehre werden vor allem dort eingesetzt, wo sich klassi- sche Nahverkehrslinien nicht lohnen oder das bestehende Angebot verdichtet oder ersetzt werden soll. Vester erklärte das Prinzip: Dabei handelt es sich um eine Art Shuttleservice für mehrere Personen. Der Fahr- gast äußert seinen Fahrtwunsch via Smartphone-App, gibt sei- nen Standort an und bucht die Fahrt. Das Fahrzeug – in der Re- gel ein Kleinbus – holt ihn ab und bringt ihn unabhängig von Haltestellen und Fahrplänen flexibel zu seinem Wunschziel. Ort umsetzen möchte“, so Ves- ter bei der „Grünen Runde“, ei- nes thematisch fokussierten Diskussionsforums, das von Pe- ter Lotz von der Grünen Liste Bensheim (GLB) initiiert wurde. „Eine Verkehrswende ohne al- ternative Modelle kann nicht funktionieren“, so Lotz, der im Präsenzhof zahlreiche Gäste und Experten begrüßte. Darun- ter auch den Kreisbeigeordne- ten Karsten Krug (SPD), den Bensheimer Verkehrsdezernen- ten Andreas Born und Peter Castellanos vom Fahrgastver- band Pro Bahn in der Region Starkenburg. Flexible Zusatzlösungen Keiner der Anwesenden be- zweifelte, dass flexible Zusatzlö- sungen den regulären ÖPNV besonders in Gebieten und Zeiträumen mit schwacher Nachfrage sinnvoll ergänzen ternehmen, da der Service wie alle ÖPNV-Angebote Bestand- teil der öffentlichen Daseins- vorsorge und gleichzeitig be- triebswirtschaftlich sinnvoll ist – vor allem dann, wenn sich der Einsatz regulärer Linienbusse nicht rechnet. Bezahlt wird per App oder bar beim Fahrer. Ein Algorithmus sucht im Hinter- grund nach der effizientesten Route, damit alle Passagiere schnell an ihr Ziel kommen, er- läuterte der Software-Entwick- ler. Grundsätzlich folgt das Mo- dell einer insgesamt differen- zierter werdenden Mobilität, die den Nahverkehr in den Au- gen mancher Beobachter in eine revolutionäre Stimmung versetzt. Aber wo Kunden vor Ort ein funktionierendes Ge- samtsystem und keinen größer werdenden Flickenteppich er- warten, müssen sich auch Ver- kehrsverbände und -Unterneh- men dazu durchringen, ge- wachsenes Konkurrenzdenken zu überwinden und stärker zu kooperieren. Denn allein kön- nen die Bedarfsverkehre den Anspruch der Fahrgäste nicht abdecken, wie auch in der Grü- nen Runde schnell klar wurde. Als Zubringer zum regulären, starren ÖPNV oder als Alternati- ve in infrastrukturell dünnen Regionen kann sich Castellanos einen solchen Service auch im Kreis gut vorstellen. Der Spre- cher des Bergsträßer Fahrgast- beirats warnte aber davor, ein neues Angebot zusätzlich zu etablieren, das nicht mit dem bestehenden ÖPNV-Netz ver- zahnt ist: „Die Leute blicken be- reits heute nicht durch, weil es an Transparenz mangelt.“ Es gehe insgesamt darum, dass weniger mit dem eigenen Auto gefahren wird, um Emissionen zu vermeiden, so Castellanos. tr La petite galerie: Freundlich, heiter und humorvoll Die aus Baden-Baden stammende Malerin Maike Günther stellt ihre Werke in Heppenheim in der „La petite galerie“ aus. BILD: VG BILD-KUNST, BONN 2020 HEPPENHEIM. In der Heppen- heimer Galerie „La petite gale- rie“ zeigt Maike Günther, frei- schaffende Malerin aus Baden- Baden, im März in einer Einzel- ausstellung ihre bunten Arbei- ten – interagierende Figuren in Öl gemalt. Diese Bilder erzählen Geschichten mit Tiefgang und sind gleichzeitig freundlich, heiter und humorvoll. Mit ihren Bildtiteln führt die Künstlerin bewusst, aber ohne Diktion Regie mit Blick auf ihre eigenen, subjektiven Betrach- tungsweisen. Zur Ausstellung spricht die Kunsthistorikerin Dr. Eva Bambach aus Bens- heim. La petite galerie befindet sich in der Marktstraße 2 in Heppen- heim. Sie ist montags zwischen 15 und 18 Uhr, samstags zwi- schen 12 und 16 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. i Mehr Informationen zu den aktuellen Ausstellungen und Kontaktmöglichkeiten gibt es im Internet unter der Adresse www.la-petite-galerie.de

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